
Mozart hätte gelacht ... (Salieri auch)
Im Zuge der aktuellen Spardebatten sucht die Oper Leipzig professionellen Rat bei dem Kabarettisten Chin Meyer, besser bekannt als Steuerfahnder Siegmund von Treiber, der am Beispiel der wohl prominentesten Opernparodien der Musikgeschichte den Kulturbetrieb kritisch unter die Lupe nimmt.
Theater lebt von der Improvisation, insbesondere wenn es darum geht, so unterschiedliche Parameter wie ständig wechselnde Produktionsbedingungen und anstrengendes Primadonnengehabe, künstlerischen Anspruch und allgemeinen Publikumsgeschmack unter einen Hut zu bringen. Kein Wunder, dass bereits die beiden härtesten Rivalen der Operngeschichte – Mozart und Salieri – jeweils eine Oper daraus machten, die 1786 im musikalischen Wettstreit aufgeführt wurden. Da zanken sich die Damen Silberklang und Herz bei Mozart um die Rolle der ersten Sängerin, während sich bei Salieri Dichter und Komponist um die Vormachtstellung von Musik und Sprache in der Oper einen verschärften Schlagabtausch liefern. Dabei sind die Vorgaben ihres Auftraggebers ziemlich klar. Der wünscht sich ein Stück, das Opera buffa und Opera seria gleichermaßen bedient, und möchte so ganz nebenbei seine beiden Lieblingssängerinnen in den Hauptrollen sehen. Natürlich soll das Ganze ein Publikumserfolg werden, ist doch klar! Nur mit dem Budget hapert es noch. Kurzum: Gesucht wird die „eierlegende Wollmilchsau“, eine Spezies, nach der die Theaterwelt bis heute händeringend fahndet. Mozart und Salieri ist mit ihrem musikalischem Doppel ein wahrer Theatercoup gelungen, eine selbstironische Persiflage auf den Opernbetrieb und dem ewigen Kampf um die Gunst des Publikums.
Inszenierung
Musikalische Leitung Anthony Bramall | Einrichtung und Inszenierung Gundula Nowack | Dramaturgie Christian Geltinger
Besetzung
Johann Buff Actori, Impresario Chin Meyer | Donna Eleonora Eun Yee You | Tonina Jennifer Porto |Maestro Jochen Kupfer | Poeta David Pichlmaier | Herr Vogelgesang Filippo Adami | Eine Putzfrau Katja Beer | Gewandhausorchester